Stellungnahme des Umweltbundesamtes

Vorkommen:

Thallium-Verbindungen werden wegen ihrer Flüchtigkeit bei Verhüttungsprozessen anderer Metalle, bei der Zementfabrikation sowie bei der Kohle- und Müllverbrennung freigesetzt. Thalliumhaltige Flugstäube wurden in Deutschland in der Umgebung von Zementwerken gemessen. Thallium kommt auch zum Einsatz bei der Herstellung von Spezialgläsern und bei elektronischen Geräten mit Hochtemperatur-Supraleitfähigkeitsfilmen. Thalliumhaltige Dünnschichten finden heute breite Anwendung, zum Beispiel auch in Mobilfunkgeräte

Thalliumsalze, insbesondere Thalliumsulfat, wurden früher häufig als Rodentizide zur Schädlingsbekämpfung und Thallium(I)acetat als kosmetisches Enthaarungsmittel eingesetzt. Aus der nicht sachgerechten Anwendung dieser Präparate resultierte überwiegend die derzeit gut dokumentierte Kenntnis der akuten Toxizität.

Als ubiquitäres Element lässt sich Thallium auch in Lebensmitteln, Trinkwasser und Luft in unterschiedlichen Mengen nachweisen. In Regionen fernab von erkennbaren Kontaminationsquellen sind die Gehalte sehr gering.

Toxizität:

Thallium und seine Verbindungen sind außerordentlich toxisch; sie sind giftiger als die Verbindungen von Blei, Cadmium oder Quecksilber und waren vor allem in der Vergangenheit Anlass akzidenteller, suizidaler oder homizidaler Vergiftungen. Thallium und seine Verbindungen wirken überwiegend als allgemeine Zellgifte und können Leber-, Nieren- und Nervenschäden auslösen.

Thallium wird bei Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt oder die Lungen rasch und nahezu quantitativ resorbiert und schnell über den gesamten Organismus verteilt. In Abhängigkeit von der Höhe der Dosis treten die Symptome der Vergiftung zum Teil erst Wochen nach Exposition auf.

Die höchsten Konzentrationen werden in Darm, Leber, Nieren, Herz, Gehirn und Muskulatur gefunden. Thallium durchdringt leicht biologische Membranen; so passiert Thallium die Blut-Hirn-Schranke und die Plazentaschranke und wird auch in die Muttermilch sezerniert.

Diagnose und Therapie

Thallium wird hauptsächlich über Urin (circa 2/3) und Faeces (circa 1/3) ausgeschieden. Allerdings erfolgt die Elimination wegen eines ausgeprägten enterohepatischen Kreislaufs nur sehr langsam. Durch orale Zufuhr von Preußischblau kann die Rückresorption aus dem Darm verhindert und so der enterohepatische Kreislauf unterbrochen werden.

Thallium wird hauptsächlich im Urin bestimmt, zum Teil auch in Haaren, vor allem bei Fragestellungen der forensischen Medizin. Die Untersuchung von Thallium in Blutproben ist nicht sinnvoll, da Thallium sehr rasch aus dem Blut eliminiert wird und nur in sehr geringen Konzentrationen im Blut vorkommt.

Auszug aus:

Stoffmonographie Thallium − Referenz- und Human-Biomonitoring-(HBM)-Werte für Thallium im Urin Stellungnahme der Kommission „Human-Biomonitoring” des Umweltbundesamtes Bundesgesundheitsblatt 2011 · 54:516–524